Anmerkung von heute: Ich kann mich noch daran erinnern, den Essteller immer auf dem Rücken liegend in das Bauch-Gipsloch gestellt zu haben und - da der Kopf ja geradeaus an die Decke gucken musste - mit einem Spiegel in der linken Hand beobachtet zu haben, was ich mit der rechten Hand vom Teller fische. Man glaubt gar nicht, was man alles kann, wenn man nur stocksteif liegen oder sich um die eigene Achse drehen kann :-) Bloß gut, dass ich immer viel Besuch hatte. Mittwochs und Sonntags zur Besuchszeit war immer jemand da, obwohl es 100 km von zu Hause entfernt war. Wenn man im Krankenhaus liegt, ist die Zeit von Mittwoch bis Sonntag besonders lang. Und große Bestell-Listen hatte ich auch immer mitzugeben: Briefpapier, Bücher, Bratklopse, Kuchen, Eis, Honig, Ausstickdeckchen.....irgendwas wollte ich immer haben :-)
10. Januar 1981
"Heute habe ich mich einfach mal hingestellt, obwohl ich das gar nicht durfte. Ich hab mich aber so aufgeregt, weil Schwester Jutta sagte, dass wir noch drei Monate zusätzlich liegen müssen. Das wäre doof... Die Astrid macht nun doch nicht mir die Prüfungen mit, sondern will die 10. Klasse nachmachen. Das finde ich blöd, weil ich nun ganz alleine lernen muss."
23. Januar 1981
"Wir müssen jetzt doch zwei Monate zusätzlich liegen. Das finde ich so gemein. Beim Gipsen dürfen wir ja auch stehen... da darf ich ja erst Mitte April aufstehen! Schweinerei!"
28. Januar 1981
"Ich bin vorhin zum Fenster gelaufen und auf dem Rückweg hat mich Schwester Evi erwischt. Die hat gemeckert..."
3. Februar 1981
"Die erste schriftliche Prüfung ist überstanden, die Russischprüfung. Es war ein ganz schön schwerer Text."
Geschrieben hab ich die Prüfung auf dem Bauch liegend, quer aus dem Bett heraushängend, wobei die Blätter auf einem Stuhl lagen, der niedriger als die Bettliegefläche war. Tja, irre Konstruktion. Letzten Endes hab ich auf die Russischprüfung und auf fast alles andere auch eine Eins bekommen und die 10. Klasse mit "Auszeichnung" bestanden *Schulter klopf*. Aber nun erstmal wieder weiter im Text.
* weiter zum Teil 4 *