24. Dezember 1980
"Zur Zeit bin ich auf Weihnachtsurlaub zu Hause". (Zum ersten Mal nach guten zwei Monaten nur flach im Krankenhaus liegen. Ich wurde auch liegend in den dritten Stock bei meinen Eltern getragen und dort auf's Sofa gepackt. Ich hab ganz schön viele Eintragungen nachzuholen:
* Operationserlebnisse und deren Nachwirkungen *
Nach dem obligatorischen Einlauf, dem Rücken rasieren, der OP-Spritze und dem Überstülpen des OP-Hemdchens, ging es hinunter in den OP-Saal...."Nach einer Weile bekam ich die Maske aufgesetzt. Alles find sich zu drehen an, ich hörte nur noch Wortfetzen und dann war alles dunkel. Als ich nach der etwa 8-stündigen Operation wieder aufwachte, sagte die Narkoseärztin immerzu: "Schön atmen, Kerstin...." Das wiederholte sie immerzu, weil ich wohl nicht geatmet hab, aber mir kam es schon so vor, als hätte ich geatmet. Dann zog sie so einen Schlauch aus dem Hals. Ich musste mich ganz schön zusammenreißen, um nicht zu brechen. Wie ich hochgefahren wurde, hab ich nicht gemerkt. Man wollte mich noch an ein Atemgerät anschließen, aber das war kaputt. Als ich wieder etwas zu mir kam, war Chefarztvisite und ich hing am Tropf. Da ich nichts trinken durfte, musste mir Sigrun immer die Lippen nass machen... Da ich viel Blut verloren hatte bekam ich am nächsten Tag nochmal 2 Blutkonserven.

Anmerkung von heute: Bei der Durchführung einer Skolioseoperation handelt es sich um einen großen orthopädischen Eingriff. Die speziellen Risiken nehmen dabei gemäß Grad der Wirbelsäulenseitwärtsverbiegung zu. Als besondere Risiko empfand ich die mögiche Lähmung, die zwar nur bei 1 % der Fälle auftritt, aber eben passieren kann. Beim Operieren wurde die Wirbelsäule durch einen Hautschnitt in der Mittellinie freigelegt. Sodann wurde wohl das Instrumentarium eingelegt, was bei mir ein Harrington-Stab war. Heute werden meist zwei Stäbe nach Luque, Cotrel und Dubousset, Spine fix genommen, welche diesseits und jenseits der hinteren Wirbelkörperdornfortsätze positioniert werden. Verspannt werden alle Stäbe mittels Haken und Schrauben. Eine Entfernung des eingebrachten Metalls an der Wirbelsäule ist auf Dauer nicht vorgesehen.Ich wurde nach der Operation täglich ein paar Mal auf den Bauch gedreht, damit die mit Blut vollgesogenen "Zellstoffmatten" von meinem Rücken abgezogen und gegen neue ausgetauscht werden konnten. Von den Sachen, wie z. B. auf den Schieber gehen, im Liegen essen und schreiben usw. will ich mal gar nichts mehr erzählen. Ekelig waren auch die komischen Kapseln, die ich nicht herunterbekam und man mir das ätzende Pulver aus der Hülle mittels Saft einflößte. Schmerzspritzen usw. hab ich mir auch etliche geben lassen....(Ende der Anmerkung und nach den appetitlichen Bildern weiter mit dem Tagebuchtext *g*)


"...Zehn Tage musste ich dann in einer Gipsschale liegen....Dann wurden die Fäden gezogen. Nach zwei weiteren Tagen bekam ich dann wieder so einen Gips, wie vor der Operation, jedoch ohne das Armteil. Mit dem durfte ich mich dann schon im Bett drehen. Ich konnte nicht ahnen, was noch auf mich zukommen sollte! Nach ungefähr einer Woche kam montags Dr. Kabbe mit meinen Röntgenbildern herein. Ich konnte mir fast denken, dass etwas nicht stimmte. An der Wirbelsäule ist ein platinveredelter Harrington-Stab und Haken. Er sagte: 'Diese Haken sind abgegangen und wir müssen nochmals operieren.'..ich dachte immer, es wäre ein böser Traum und ich würde aufwachen, aber leider war es nicht so....."

Anmerkung von heute: Ich hätte mich am liebsten umgebracht vor Wut. Warum passiert das ausgerechnet mir??? Meinen Eltern hatte er es schon am Sonntag zur Besuchszeit mitgeteilt, aber sie sollten es mir nicht sagen. Meine Mutter meinte, sie hätte mich gar nicht mehr liegen sehen können, so sehr musste sie sich zusammenreißen. Sie hat mir dann auch gleich einen tröstenden Brief geschrieben, damit ich ihn sofort nach der zweiten OP erhalte.

"...alles ging noch einmal von vorne los, nur der Blutverlust und die Schmerzen waren geringer. Es wurde am 6.11.1980 dieselbe Naht nochmal aufgemacht und die Haken ganz rausgenommen, da die Operation ansonsten wieder so lange gedauert hätte. Das zweite Mal Fädenziehen tat ganz schön weh, weil es eine andere Nahttechnik war. Als die Zeit ran war, bekam ich neuen Gips. Mit diesem liege ich nun schon bis heute und im Januar werde ich wohl neuen Gips bekommen. Ich hoffe, im Februar 1981 das erste Mal aufstehen zu können..."
* weiter zum Teil 3 *